Hörverlust & Schwerhörigkeit

Ursachen, Symptome und Lösungen

Ob Schwerhörigkeit, Hörverlust, taub werden oder Hörminderung – viele Begriffe für eine Tatsache: Plötzlich wird die Welt leiser.

Trotz einer weit verbreiteten Annahme betrifft es nicht nur ältere Personen und kann viele Ursachen haben. Erfahren Sie jetzt, welche Gründe es für Hörverlust gibt und was man dagegen tun kann.

Welche Schweregrade von Hörverlust gibt es?

leichtgradige Hörminderung

leise Geräusche werden nicht mehr gehört, in Umgebung mit Hintergrundgeräuschen bereitet es Schwierigkeiten, Sprache zu verstehen

mittelgradige Hörminderung

leise und mittellaute Geräusche werden nicht gehört, es bereitet große Schwierigkeiten, Sprache bei Hintergrundgeräuschen zu verstehen

starke Hörminderung

normale Gespräche müssen sehr laut geführt werden, Gespräche in Gruppensituationen sind nur noch mit viel Anstrengung überhaupt möglich

hochgradige Hörminderung

es werden nur noch sehr laute Geräusche überhaupt gehört, Kommunikation ohne Hörgeräte ist nicht mehr möglich

Welche Arten von Hörverlust gibt es und wie wird er gemessen?

Obwohl Betroffene oftmals sehr ähnliche Symptome zeigen, gibt es viele verschiedene Arten von Hörverlust. Für die optimale Therapie und ein passendes Hörgerät ist die korrekte Diagnose des Hörverlusts daher sehr wichtig. Ein Hörverlust wird prinzipiell in drei Kategorien aufgeteilt und kann sich bei Betroffenen auf folgende Arten manifestieren:

Schallleitungs-Schwerhörigkeit

Der eingehende Schall wird vom Mittelohr nicht korrekt an das Innenohr übertragen. Betroffene empfinden dies typischerweise als Lautstärkeverlust. Bei dieser Form des Hörverlusts werden Geräusche allgemein als zunehmend leiser empfunden, weil der Schall von außen über die Gehörknöchelchenkette schwächer ans Innenohr übertragen wird.

Schallempfindungs-Schwerhörigkeit

Der eingehende Schall erreicht das Innenohr, wird dort jedoch fehlerhaft bzw. unvollständig verarbeitet, sodass Betroffene die Töne als verändert wahrnehmen. Einzelne Frequenzen werden leiser, lauter oder verzerrt gehört. Es gibt verschiedene Formen dieser „Fehlhörigkeit“:

Hörverlust von hohen Tönen

Ein beginnender Hörverlust macht sich oft durch eine Hochtonschwerhörigkeit bemerkbar. Hohe Geräusche wie Frauen- und Kinderstimmen, Vogelgezwitscher oder auch Zischlaute wie „S“, „T“ oder „F“ werden zunehmend überhört. Die Hörumgebung klingt insgesamt dumpfer.

Obwohl Geräusche nicht als leise wahrgenommen werden, fällt es Betroffenen zunehmend schwerer sie richtig zu interpretieren. Ein Hochtonverlust bzw. Verständnisverlust fällt vor allem bei Gesprächen oder dem Hören von Fernseh- und Radiosendungen auf, weil die Botschaften nicht mehr richtig verstanden werden. Ein Hochtonverlust geht automatisch mit einem Diskriminationsverlust einher. Es fällt schwer, zwischen Geräuschen und Sprachlauten zu unterscheiden, einige Betroffene können besonders einsilbige Wörter oder Zahlen schlecht verstehen.

Hörverlust von mittleren Tönen

Eine Mitteltonschwerhörigkeit tritt oft sehr früh und aufgrund von genetischer Fehlbildung auf und erschwert für die Betroffenen viele Bereiche des Alltags, sodass sie meist schnell erkannt wird. Die meisten Stimmen bewegen sich im Mitteltonbereich, sodass selbst klare Sprache kaum verstanden wird.

Hörverlust von tiefen Tönen

Eine Tieftonschwerhörigkeit zeigt sich vor allem darin, dass Basstöne bei Musik oder Geräusche mit starkem Hintergrundlärm nicht mehr gut wahrgenommen werden. Auch Gruppenunterhaltungen werden zunehmend anstrengend. Tieftonverluste entstehen oftmals mit einem Hörsturz.

Schallwahrnehmungs-Schwerhörigkeit

Eingehende Töne werden vom Hörsinn zwar korrekt erfasst und verarbeitet, können im Gehirn jedoch nicht mehr richtig interpretiert werden. Betroffene hören daher fast alle Geräusche, sind jedoch nicht in der Lage, den Sinn zu verstehen. Dieser Hörverlust ist schwieriger zu therapieren, da die Ursache kein eigentlicher Hörverlust ist, sondern neurologische oder psychologische Gründe hat.

Welche Ursachen gibt es für Schwerhörigkeit und Hörverlust?

Ein Hörverlust kann viele Ursachen haben und entsteht oft durch die Kombination verschiedener Faktoren. Wir haben Ihnen die häufigsten Gründe zusammengefasst:

Hörverlust durch Alter

Die Altersschwerhörigkeit (Presbyakusis) ist die häufigste Ursache für einen Hörverlust und beginnt meistens ab einem Alter von 40-70 Jahren. Als natürliche Verschleißerscheinung fängt sie oft schleichend an und wird von den Betroffenen erst später bemerkt. Der Hauptgrund für die Verschlechterung des Hörsinns ist der Verlust bzw. die Beschädigung der inneren Haarsinneszellen – diese sind maßgeblich für die Schallübertragung an den Hörnerv zuständig und können sich bei Beschädigung nicht regenerieren.

Wird der Hörverlust rechtzeitig erkannt und mit einem gut angepassten Hörgerät ausgeglichen, können Betroffene bis ins hohe Alter eine fast natürliche Hörleistung beibehalten. Wird eine Altersschwerhörigkeit zu spät behandelt, bleiben manche Frequenzen dauerhaft verloren, da das Gehirn sie trotz Hörgerät nicht mehr richtig interpretieren kann und das Sprachverstehen erleidet dadurch irreparable Verluste.

Verstopfung des Gehörgangs

So banal es auch klingt: Wird der Gehörgang durch angestautes Ohrenschmalz oder einen Fremdkörper wie Wasser, Staub oder Insekten verstopft, kann sich das enorm auf den Hörsinn auswirken. Mitunter spüren Betroffene den Fremdkörper selbst über einen langen Zeitraum nicht und riskieren damit weitere Schäden. Von einem Reinigungsversuch mit Ohrenstäbchen, Pinzetten oder anderen Hausmitteln in Eigenregie ist dringend abzuraten – zu schnell sind die filigranen Gehörgänge dauerhaft beschädigt.

Die Beseitigung der Verstopfung sollte unbedingt durch einen HNO-Arzt durchgeführt werden.

Verletzungen des Ohrs

Ein plötzliches Knalltrauma oder permanente Lärmbelastung kann für eine kurzzeitige oder anhaltende Hörminderung sorgen. Grund dafür ist eine Überbelastung der sogenannten Haarsinneszellen im Innenohr, die im Normalfall den Schall „auffangen“ und als Signal an den Hörnerv weiterleiten. Bei hoher Lautstärke oder Dauerbelastung kann es passieren, dass diese Haarsinneszellen abbrechen und verschleißen und daher kein Signal mehr empfangen können. Die Hörleistung wird dadurch dauerhaft geschädigt.

Auch durch eine Trommelfellverletzung kann ein Hörschaden eintreten. Durch unsachgemäße Gegenstände im Ohr oder eine plötzliche Änderung des Umgebungsdrucks, wie Explosionen, Schlägen auf das Ohr wie z.B. einer „Ohrfeige“ oder bei Flügen, kann das Trommelfell Risse oder Löcher erleiden. Diese heilen bei guter Behandlung meistens von alleine, können in schweren Fällen jedoch zu dauerhaften Schäden führen.

Betroffene sollten bei Verdacht auf eine Trommelfellverletzung unvermittelt ihren HNO-Arzt aufsuchen, um weitere Infektionen und Folgeverletzungen zu verhindern.

Ohrkrankheiten

Ein Hörsturz ist vergleichbar mit einer Art „Infarkt im Ohr“ und tritt durch Durchblutungsstörungen, Lärm, Stress, Herz- und Stoffwechselkrankheiten, Viruserkrankungen, oder Ohrinfektionen auf und manifestiert sich durch einen plötzlich auftretenden Hörverlust, in vielen Fällen nur auf einer Seite. Ein Hörsturz heilt in vielen Fällen durch eine Behandlung der Ursache sowie ausreichende Ruhe von alleine ab – bis zu 60-90 Prozent der Patienten haben keine Folgeschäden.

Mittelohrentzündung

Eine Mittelohrentzündung kann meistens mit Antibiotika behandelt werden, führt in schweren Fällen jedoch zu dauerhaften Hörverlusten, weil die empfindliche Gehörknöchelchenkette   beschädigt wird. Mitunter kann als Folgeerkrankung ein Tuben bzw. Paukenerguss auftreten, der durch eine Flüssigkeitsansammlung im Mittelohr weitere Beschwerden und Komplikationen verursacht.

Tumor am Hörnerv (Akustikusneurinom, AKN)

Obwohl ein Tumor am Hörnerv in den meisten Fällen gutartig ist und damit nicht zu den Krebsgeschwülsten zählt, kann er große Probleme verursachen, wenn durch das Wachstum der Gehörgang verletzt wird. Die Symptome ähneln oft einem Hörsturz: Betroffene leiden unter einseitigem Hörverlust, Tinnitus, Schwindel oder Druckgefühlen. Je nach Lage muss ein Akustikusneurinom operativ entfernt werden.

Tinnitus

Ohrensausen, Piepen, Pfeifen, Brummen, Rauschen – ein Tinnitus äußert sich bei jedem Betroffenen anders und kann viele Ursachen haben. Dauerhafte Lärmbelastung, Stress oder Folgeschäden einer Entzündung sind die häufigsten Gründe. Ein Tinnitus kann nicht immer vollständig behandelt werden, lässt sich durch Hörgeräte jedoch lindern.

Neurologische Ursachen: Schlaganfall, Gehirnblutung

Da die Verarbeitung und Interpretation von Tönen im Gehirn stattfinden, wirken sich neurologische Erkrankungen oft auch auf die Hörleistung aus. Durch einen Schlaganfall oder eine Gehirnblutung kommt es daher oft zu temporären oder dauerhaften Hörverlusten.

Otosklerose (Verknöcherung der Gehörknöchelchenkette)

Die winzigen Gehörknöchelchen im Ohr können nur korrekt funktionieren, indem sie flexibel bleiben. Tritt eine Verkalkung oder Verknöcherung auf, werden Schallwellen nicht mehr richtig übertragen – die Hörleistung verringert sich. Die Krankheit hat vermutlich genetische oder hormonelle Ursachen und tritt relativ häufig auf. Die Heilungschancen durch eine Operation sind gut. Hierbei wird die Gehörknochelchenkette teilweise oder ganz durch dafür vorgesehene Implantate ersetzt.

Genetische Veranlagung (hereditäre Schwerhörigkeit)

Eine angeborene Schwerhörigkeit ist eine der häufigsten angeborenen Fehlbildungen, weswegen Neugeborene so früh wie möglich einem speziellen Hörtest unterzogen werden (Neugeborenenhörscreening). Hierbei hat sich gezeigt, dass ca. 1 von 1000 Neugeborenen einen Hörverlust aufweist.  Die genauen Ursachen sind nicht vollständig geklärt und variieren von Person zu Person.

Stress und psychologische Ursachen

Chronischer, starker Stress im Privat- und Berufsleben oder Depressionen können auf Dauer zu einer Schwerhörigkeit führen. Durch die damit verbundenen körperlichen Begleiterscheinungen wie z.B. Bluthochdruck können die empfindlichen Bestandteile des Ohrs Schaden nehmen und zu Symptomen wie Tinnitus, Entzündungen oder Hörverlusten führen.

Nebenwirkung von Medikamenten

Da das komplexe Innenohr nicht nur aus mechanischen Bestandteilen besteht, sondern auch auf eine gesunde Durchblutung und natürliche Flüssigkeit angewiesen ist, können bestimmte Medikamente das Hörsystem dauerhaft schädigen. In hohen Dosen können Aspirin, Ibuprofen oder Naproxen für einen vorübergehenden Hörverlust sorgen. Dauerhafte Schäden werden vor allem von sogenannten „ototoxischen Medikamenten“ ausgelöst, die gegen Krebserkrankungen und bakterielle Infektionen eingesetzt werden.

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